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WM 2020, 1985

Inhalt

BGH 18.12.2019 - VIII ZR 209/18: Zur Ausgestaltung von in Fernwärmelieferungsverträgen enthaltenen Anpassungsklauseln für den Arbeitspreis am Maßstab des § 24 Abs. 4 Satz 1 AVBFernwärmeV, der sowohl die angemessene Berücksichtigung der Kostenentwicklung bei Erzeugung und Bereitstellung der Fernwärme als auch der jeweiligen Verhältnisse auf dem Wärmemarkt verlangt; zur Notwendigkeit der unmittelbaren Anknüpfung an die beim Fernwärmeversorger anfallenden Kosten der Erzeugung und Bereitstellung und zu einem nach Art und Umfang wesentlichen Gleichlauf mit dem Preisänderungsparameter, dem das Versorgungsunternehmen gegenüber seinem Vorlieferanten unterliegt

Leitsatz

1. Nach § 24 Abs. 4 Satz 1 AVBFernwärmeV (§ 24 Abs. 3 Satz 1 a.F.) müssen in Fernwärmelieferungsverträgen enthaltene Anpassungsklauseln für den Arbeitspreis so ausgestaltet sein, dass sie sowohl die Kostenentwicklung bei der Erzeugung und Bereitstellung der Fernwärme durch das Unternehmen (sog. Kostenelement) als auch die jeweiligen Verhältnisse auf dem Wärmemarkt (sog. Marktelement) angemessen berücksichtigen. Hinsichtlich des Kostenelements ist zwar keine Kostenechtheit, aber eine unmittelbare Anknüpfung an die beim Fernwärmeversorger anfallenden Kosten der Erzeugung und Bereitstellung der Fernwärme geboten. Spiegelt eine Preisanpassungsklausel eine derartige Kostenorientierung nicht wie erforderlich wider, ist sie schon aus diesem Grund mit § 24 Abs. 4 Satz 1 AVBFernwärmeV (§ 24 Abs. 3 Satz 1 a.F.) nicht zu vereinbaren (Bestätigung der Senatsurteile vom 6. April 2011 = BGHZ 189, 131 Rdn. 33, 37 f. = WM 2011, 1048; vom 25. Juni 2014 = BGHZ 201, 363 Rdn. 19 ff. = WM 2014, 1828; vom 19. Juli 2017 = WM 2018, 1020 = NJW-RR 2017, 1200 Rdn. 26 f.).

2. Mit Blick hierauf kann ein vom Fernwärmeversorger gewählter Preisänderungsparameter – wie im Streitfall der von der Beklagten gewählte „HEL“-Faktor – nur dann als geeignet angesehen werden, seine Brennstoffbezugskosten ausreichend abzubilden, wenn feststeht, dass das Versorgungsunternehmen gegenüber seinem Vorlieferanten einer Bindung an einen Preisänderungsparameter unterliegt, der seiner Art und seinem Umfang nach im Wesentlichen der von ihm gegenüber seinen Endkunden praktizierten Bindung an diese Bezugsgröße entspricht (Bestätigung der Senatsurteile vom 6. April 2011 a.a.O. Rdn. 41; vom 25. Juni 2014 a.a.O. Rdn. 25; vom 19. Juli 2017 a.a.O. Rdn. 40).

An einer solchen Entsprechung fehlt es, wenn der vom Fernwärmeversorger in seinem Brennstoffbezugsvertrag zu entrichtende Arbeitspreis – wie im Streitfall – nur zu 75 % durch „HEL“ bestimmt wird, der vom Endkunden nach den Regelungen des Wärmelieferungsvertrags zu entrichtende Arbeitspreis indes zu 100 %.

An einem nach Art und Umfang wesentlichen Gleichlauf der Preisänderungsregelungen in den beiden miteinander zu vergleichenden Verträgen fehlt es zudem dann, wenn die Preisanpassungsklausel des Fernwärmelieferungsvertrags die Multiplikation des Ausgangsarbeitspreises mit dem Preisänderungsparameter – im Streitfall „HEL“ – vorsieht, während die entsprechende Bestimmung im Brennstoffbezugsvertrag des Fernwärmeversorgers den Preisänderungsparameter zum Ausgangsarbeitspreis lediglich addiert. Denn durch die Multiplikation wird eine Hebelwirkung erzielt, die dazu führt, dass der Fernwärmeversorger nicht nur die ihm tatsächlich entstehenden Bezugskostensteigerungen weitergeben, sondern gegenüber dem Kunden stärkere Preiserhöhungen geltend machen und zusätzliche Gewinne realisieren kann.

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